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Tripadvisor, Yelp (Qype) & Co!

von Uta Bühler

Knapp 4.800 Restaurants von über 100.000 in Deutschland werden jährlich von Restaurantführern empfohlen – durch sie bekommt der Leser anhand nachvollziehbarer Beschreibungen und professioneller Beurteilungen einen guten Überblick darüber, wo man überdurchschnittlich gut im ganzen  Land essen kann. Doch nicht jeder, der ein Restaurant besuchen möchte, kauft einen Restaurantführer. Und was ist mit den anderen über 95.000 Restaurants? Sind Bewertungsportale bei der Restaurantsuche immer eine geeignete Hilfe?

Das Bedürfnis vieler Menschen, ande­re öffentlich an ihrem Leben teilhaben zu lassen, ist groß. Wie groß, das ma­chen Twitter, Facebook & Co deutlich. Zu posten, wo man gerade ist und was man gerade macht, ist eine Art Volkssport geworden. Manche spre­chen auch von Sucht. Dabei steigt der prozentuale Anteil derer, die noch während eines Restaurantbesuchs Bilder ins Netz stellen, stetig. Im Ge­nießer-Land Frankreich wird das von vielen Gästen aber auch als störend empfunden, sodass dort bereits disku­tiert wird, ob man das Fotografieren im Restaurant nicht besser ganz ver­bieten soll.

Wenn an acht von zehn Tischen fotografiert wird, beeinflusst das die Restaurantatmosphäre – kein Frage, es wird dadurch nicht gemütlicher. Doch mehr noch als am Nachbartisch wirkt sich die Beeinträchtigung auf denjeni­gen, der durch die Linse schaut, selbst aus. Wer sich auf das Dokumentieren konzentriert, verpasst nämlich häufig das eigentliche Erleben. Wohl jeder hat schon die Erfahrung gemacht, von seinen Reisefotos daheim mit Details überrascht worden zu sein, die er beim Fotografierennicht wahrgenom­men hat. Andersherum sind manche Motive messerscharf in der Erinne­rung abgespeichert, von denen es kein Foto gibt.

Aber was ist mit denen, die ihre Restauranterlebnisse mit dem nötigen Abstand ins Netz setzen? Dann, wenn sie wieder daheim sind. Helfen diese Kritiken weiter? Restaurant-Kritik, TripAdvisor und Qype geben eine Plattform dafür, lassen jedoch leider ungeprüft, ob der Verfasser das Res­taurant tatsächlich besucht hat. Und nicht immer ist ein Irrtum so offen­sichtlich wie bei „monica54“, die auf Qype über den Süllberg in Hamburg schreibt: „Habe gerade erfahren, dass das Süllberg einen zweiten Stern be­kommen hat. Donnerwetter, da muss ich mich wieder mal fragen, nach wel­chen Kriterien diese Sterne vergeben werden. Wir waren im Sommer auf den Süllberg-Terrassen. So schlecht, unfreundlich und inkompetent wur­den wir noch nie bedient.“ Jeder auch nur etwas geübte Gast bemerkt bei diesen Zeilen sofort, dass die Schrei­berin Champagner (das 2-Sterne-Res­taurant) und Brause (Ausflugsterrasse in der Hochsaison) verwechselt. Mehr Sicherheit dafür, dass Hobbykritiker nur Restaurants bewerten, in denen sie auch gegessen haben, bieten die Kritiken der Restaurant-Buchungs­portale wie Bookatable und OpenTa­ble. Hier kann nur einen Kommentar über ein Restaurant abgeben, wer seinen Tisch zuvor über das Portal ge­bucht hat; das System fordert in den Folgetagen nach dem Termin automa­tisch zur Stellungnahme auf.

Ein Qyper namens „rinam“ äußert über Schuhbeck in den Südtiroler Stu­ben: „Das Essen war gut, aber nicht delikat. Hier hatten wir etwas mehr er­wartet.“ Leider gibt der Schreiber kei­ne Auskunft darüber, was er erwartet hat – und auch keine über seinen ku­linarischen Anspruch und seine Res­tauranterfahrungen. Für den Leser dieser Kritik bleibt völlig offen, ob der Verfasser regelmäßig in Restaurants verkehrt, ob er Vergleichsmöglich­keiten mit anderen Sternerestaurants hat oder ob dieses sein Erstbesuch in einem war. Hatte sich der Qyper wohlmöglich ein Bildschirm-Bild vom Fernsehkoch gemacht, dem dieser nicht gerecht wurde? Zwölf „Restau­rant-Kritiken“, die Anzahl wird ge­nannt, sollen unter dem Pseudonym „rinam“ bisher ins Netz gestellt wor­den sein, ein Profil zu diesem Nutzer gibt es aber nicht. Nun gut, auch das ließe sich manipulieren. Einer ge­fälschten Selbstdarstellung als regel­mäßiger Gast von Top-Restaurants steht an dieser Stelle nichts im Wege. Über „rinam“ heißt es unter den Pro­fil-Angaben nur: „Das Qype-Mitglied hat seine Profil-Informationen nur für eigene Kontakte freigegeben“ – „ri­nam“ wird wissen, warum.

Weniger als ein Prozent der Gäste geben in einschlägigen Bewertungsportalen eine Stellungnahme zu ihrem Restaurantbesuch ab – gelesen werden diese von Zigtausenden
Auch „Haro“ hat kein Profil ein­gestellt. Dennoch gibt er anders als der beschriebene Vorgänger in seiner Beurteilung auf Restaurant-Kritik genau das von sich preis, was man bei „rinam“ vermutet. Über seinen Besuch bei Harald Wohlfahrt in der Schwarzwaldstube schreibt „Haro“: „Da war ich also endlich, 20 Jahre nach den Schweizer Stuben, mein zweiter Besuch in einer 3-Sterne-Kü­che. Die Erwartungen waren sehr hoch, schließlich wird die Küche ge­priesen als die wohl beste in Europa … Was mir wirklich fehlten, waren die Aha-Erlebnisse.“ „Aha“, sagt sich da der Leser, abgesehen davon, dass die Schweizer Stuben zu keiner Zeit Schuhbeck weit auseinandergehen. Solche Diskrepanzen kennt die pro­fessionelle Restaurantkritik nicht.

Für die Leser von Restaurant-Kritiken bleibt verborgen, welche Kompetenz der Kritiker hat. Ist er häufig zu Gast in Restaurants oder geht er so gut wie nie aus? Wie sind seine Vergleichsmöglichkeiten?
Bei im Schnitt 30 Gästen am Abend und unter Berücksichtigung einer Fünf-Tage-Woche und einigen Wo­chen Betriebsferien kommt ein Gour­met-Restaurant auf grob geschätzt

5.000 Gäste im Jahr. Es kommt auf etwa die doppelte Menge, also 10.000 Gäste, wenn es auch am Mittag geöff­net hat, so wie bei den 3-Sterne-Kö­chen Claus Peter Lumpp im Bareiss in Baiersbronn, Klaus Erfort in seinem mit drei Michelin-Sternen ausgezeich­net waren, drückt der Verfasser hier seine unerfüllte oder nicht erfüllbare Sehnsucht nach einem überirdischen Erlebnis aus und gibt gleichzeitig präzise Auskunft über sein mangeln­des Urteilsvermögen, dem jede Ver­gleichsmöglichkeit fehlt.

Schuhbeck in den Südtiroler Stu­ben wird insgesamt von den Hobby­kritikern auf Qype nicht unter die Top 100 der Münchener Restaurants ge­setzt. Anders von denen, die ihr Urteil auf restaurant-kritik.de veröffent­lichen; in diesem Portal glänzen die Südtiroler Stuben auf Platz drei der bayerischen Hauptstadt. Viel schlech­ter wiederum werten die Restaurant­besucher auf TripAdvisor, sie verwei­sen Starkoch Schuhbeck auf Rang 217 und heben das unbekannte, und von keinem Restaurantführer empfohle­ne, Mystikon in München derzeit auf den ersten Platz. Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Urteile der drei Portale nicht nur bei Alfons GästeHaus in Saarbrücken, Helmut Thieltges im Sonnora in Dreis, Joa­chim Wissler im Vendôme in Bergisch-Gladbach und Harald Wohlfahrt in der Schwarzwaldstube vom Hotel Traube Tonbach in Baiersbronn. Eine Beurtei­lung auf Restaurant-Kritik haben ins­gesamt zwischen 2008 und heute ab­gegeben: für die Restaurants Bareiss und Vendôme je 13 Personen, für die Schwarzwaldstube 22, für das Gäste-Haus Erfort 5 und für das Sonnora in Dreis 19 – das sind etwa zwischen 0,04 und 0,01 Prozent der Gäste; kein Wert von Relevanz. Die Zahlen bei TripAd­visor und Qype unterscheiden sich nicht nennenswert; 60 Beurteilungen bekommt die Schwarzwaldstube auf TripAdvisor und 17 auf Qype, das Sonnora hat 24 auf TripAdvisor und 8 auf Qype – auch das sind Ergebnisse aus mehreren Jahren. Wer nun höhe­re Zahlen bei Trendsetter-Restaurants wie dem Borchardts in Berlin oder der Sansibar auf Sylt vermutet, der täuscht sich. Im Verhältnis zur fünf- bis zehn­ mal so hohen Gästezahl ist die Anzahl der Bewertungen zwischen 29 und 283 absolut vergleichbar.

„Herr Peter  Bunsenmeier, wohnhaft in München, Burgwallstraße 8, bedrängte unsere Service-Mitarbeiterinnen auf anzügliche Art und Weise.“
Ein Geburtsfehler des Internets war gewiss, den Internetnutzern die Mög­lichkeit zu geben, hinter Pseudonyme zu kriechen, um sich zu verstecken. So lassen sich Dinge aussprechen, die man dem Betroffenen nie offen ins Ge­sicht sagen würde. Und es ist kein Ge­heimnis, dass Menschen die Tendenz haben, sich anders zu verhalten, wenn sie nicht für ihre Aussagen verant­wortlich gemacht werden. Ein Blick in die Vergangenheit und in Stasi-Ak­ten beweist das. Anonyme Kritik und Denunziation liegen nah beieinander. Sehr nahe. Und so springt aus manch anonymen Äußerungen unverhohle­ne Aggressivität und Häme heraus, die die Wut des Verfassers spürbar machen. Beschimpfung statt Kritik – und auch, wenn die eben genannten Prozentzahlen zunächst keine Rele­vanz zu haben scheinen, können sie eine solche bekommen, denn mehrere Zehntausend Menschen lesen diese „Beurteilungen“.

Man stelle sich kurz umgekehrt vor, es gäbe ein Gäste-Portal, in dem Restaurants anonym über Gäste unge­prüft schreiben könnten, was sie woll­ten. Sie würden Namen und Adresse nennen, blieben selbst aber im Dunkel. Da stünde dann beispielsweise: „Herr Peter Bunsenmeier, wohnhaft in Mün­chen, Burgwallstraße 8, bedrängte unsere Service-Mitarbeiterinnen auf anzügliche Art und Weise.“ Ähnlich ohnmächtig und öffentlich tigt wie Peter Bunsenmeier, wären er und diese Geschichte nicht erfunden, empfinden professionelle Gastgeber, wenn sie über sich, ihr Restaurant, Mitarbeiter und Kollegen, im Netz le­sen, sie seien arrogant, unfreundlich und unfähig, den Wein rechtzeitig einzuschenken.

Wir, die Mitglieder im Essener Kreis möchten an dieser Stelle ein of­fenes Wort an alle Gäste richten und um etwas bitten: Wir wissen, dass es am Abend im Restaurant manchmal schwierig sein kann, Kritik in Worte ­zu fassen. Dann, wenn andere Gäs­te dabei sind, wenn man selbst nicht Gastgeber der Runde ist oder weil man eine Diskussion fürchtet, die die Stimmung vollends vernichten könn­te. Wir möchten Sie, unsere Gäste, er­muntern, am kommenden Tag direkt mit uns Kontakt aufzunehmen. Ru­fen Sie uns an oder schicken Sie uns eine E-mail. Teilen Sie uns mit, was Sie verärgert hat, was Sie gefreut hat. Am besten gleich am nächsten Tag, wenn die Eindrücke noch frisch sind. Sagen Sie uns, wo wir Ihren Ansprü­chen nicht genügen konnten, was wir falsch gemacht haben und wie wir es besser machen können. Jedes Feed­back ist willkommen. Wir versichern Ihnen, ein offenes Ohr für alles zu haben, denn nichts anderes ist unser Bestreben – im Service wie in der Kü­che –, als Sie in unseren Restaurants eine beglückende Auszeit vom Alltag erleben zu lassen – Sie zu verwöhnen!

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NUN ÜBERLEGEN SIE BITTE NOCH EINMAL WAS ÜBER / DURCH TRICKADVISOR & YELP MÖGLICH IST.